Geteilte Wege?

Eine kurze historische und theologische Reflektion über die Entwicklung des rabbinischen Judentums und des „messianischen Judentums/Christentum“ von der Wirkungszeit Jesu bis zur Zerstörung des Tempels


Von Alex Jacob

Wie jemand die sogenannte „Wegteilung“ zwischen rabbinischem und messianischem Judentum bzw. Christentum versteht und beschreibt, gehört zu den komplexesten und wichtigsten Sachverhalten in Bezug auf die Interpretation des Neuen Testamentes sowie in der Anwendung/Gültigkeit der Botschaft des Evangeliums innerhalb der Absichten Gottes. Die Einsätze sind also hoch und wir alle müssen sanft damit umgehen, tiefgründig reflektieren, vorsichtig reden und vertrauensvoll beten.

 

In der Hinsicht bin ich sehr ermutigt zu sehen, dass sowohl in der gegenwärtigen akademischen Forschung (von jüdischen wie von christlichen Forschern) als auch in vielen theologischen Kursen die Erforschung der frühen „Kirche“ und die „Wegteilung“ mit ihren theologischen und missiologischen Implikationen einen größeren Raum einnimmt.

 

Es ist deshalb klar, dass eine ernsthafte Forschung zu der „Wegteilung“ zwischen rabbinischem Judentum und messianischem Judentum/Christentum immer wichtiger wird und hoffentlich für viele Kirchen- und Synagogenleiter ein essentieller, nicht marginalisierter Teil ihrer Dienstausbildung wird. Zusätzlich zu der Erforschung der „Wegteilung“ würde ich mir wünschen, dass zwei weitere, damit eng verwandte Fächer Teil des Kurrikulum für theologische Abschlüsse werden. Erstens das Judentum, als gelebter Glaube heute und zweitens ein Fach über die gemeinsamen, geteilten kulturelle Traditionen und Spiritualität mit einer besonderen Betonung der Bedeutung Israels und den damit verbundenen Konzepten von Pilgerschaft, heiligen Räumen und heiliger Zeit.

 

Während der ganzen Kirchengeschichte und der jüdischen Geschichte wurde viel über die „Wegteilung“ geschrieben und ich kann wärmstens folgende frühe und gegenwärtige Autoren empfehlen, die mir über die Jahre geholfen haben, mein Verständnis zu formen: John Atkinson, Robert Badenas, James Charlesworth, Jean Danielou, W. D. Davies, James Dunn, Albert Edersheim, Jakob Jocz, David Pawson, Ray Pritz, E. P. Sanders, Samuel Sandmel, Adolph Saphir, Marcel Simon, Oskar Skarsaune, R. Kendall Soulen, David Stern, Geza Vermes, M. R. Wilson, N. T. Wright und Brad Young. Dies ist keine erschöpfende Liste, aber ich hoffe, es ist für einige ein hilfreicher Start.

 

Einrichtung der Szene oder die Markierung der Karte

Das frühe messianische Judentum/Christentum, ebenso wie andere Ausprägungen des Judentums zur Zeit des zweiten Tempels, war alles andere als einheitlich; tatsächlich kann sogar eine verwirrende Diversität behauptet werden. In den meisten Fällen öffnet einem der Versuch, das Phänomen der „Wegteilung“ einer systematischen Prüfung zu unterziehen, die Augen für die Gefahr der Vereinfachung. Dessen eingedenk, glaube ich dennoch, dass es hilfreich ist, mit drei historischen und theologischen Erklärungen dafür, wie die „Wegteilung“ erfolgte, anzufangen.

 

Zunächst die traditionelle und in den meisten Kontexten auch die etablierte Erklärung. In dieser Erklärung wird das biblische Judentum als Mutterreligion und das Christentum als Tochter verstanden, in vielen jüdischen Augen eine fehlgeleitete und in vielen christlichen Augen eine triumphierende Tochter. Es gibt eine klare Trennung zwischen Mutter und Tochter, allerdings gibt es auch gemeinsame Überzeugungen, die gelegentlich von einigen der Vertreter dieses traditionellen Erklärungsansatzes anerkannt und gefeiert werden. Diese Gemeinsamkeiten findet man in den von beiden Seiten anerkannten drei Offenbarungsgeschehen. Erstens die Schöpfung, zweitens die Berufung von und der Bund mit Abraham und drittens der Auszug aus Ägypten mit der Gabe der Tora durch Mose. Diese Gemeinsamkeiten führen oft dazu, dass man von einer geteilten „jüdisch-christlichen“ Weltsicht und einer „jüdisch-christlicher“ Ethik spricht, wenn auch innerhalb von zwei getrennten, religiösen Strukturen, nämlich des rabbinischen Judentums und des Christentums in der Zeit nach dem Tempel. Die klare Trennung oder die „Wegteilung“ gilt innerhalb dieser traditionellen Erklärung als das Ergebnis des jüdischen „Nein“, das über das jüdische „Ja“ triumphierte, in Bezug auf die von messianischen Juden/Christen proklamierte vierte (und entscheidende) Offenbarung, nämlich die Person und das Werk Jesu.

 

Messianische Juden/Christen erklärten, dass Gott mit dieser vierten Offenbarung auf einzigartige, entscheidende und vollkommene Weise durch seinen Sohn Jesus handelte und sprach (siehe Johannes 1,18; Apostelgeschichte 4,12; Römer 1,9; Hebräer 1,1-4). Diese Sichtweise betont Seine Inkarnation, Seine Lehre, Seinen Sühnetod, Seine Auferstehung, die Ausgießung des Heiligen Geistes und Sein verheißenes Wiederkommen, um in Seiner vollen königlichen Macht zu regieren. Dieses vierte, entscheidende Offenbarungsereignis wurde in den Jahrzehnten nach dem Leben Jesu von vielen Juden und Nichtjuden angenommen und interpretiert. Jene, die das vierte Offenbarungsereignis angenommen hatten, wurden hauptsächlich als „messianische Juden/Christen“ bekannt. Diese „messianische Juden/Christen“ formulierten und verkündeten viele neue theologische Behauptungen über Jesus. Mit den Erklärungen gingen auch Anweisungen einher, wie Menschen (sowohl Juden als auch Nichtjuden) auf seine Botschaft und seine Ansprüche reagieren sollten. Insbesondere unter den (nichtjüdischen) „Gottesfürchtigen“, die sich schon lange zu dem einen wahren Gott, dem Gott Israels, dem Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, hingezogen fühlten, stieß die Botschaft auf Akzeptanz.

 

Die Aussagen über Jesus breiteten sich schnell aus und es gab oft Diskussionen (woraus viele Unterschiede erwuchsen) darüber, wie sich dieses vierte Ereignis (nämlich die Person und das Werk Jesu) auf die ersten drei gemeinsamen Offenbarungen bezieht und in welcher Weise es mit ihnen verbunden ist. Solche Auseinandersetzungen wurden über theologische Kernthemen und pragmatische Fragen geführt, wie zum Beispiel: Inwiefern bestätigt oder widerspricht die Verehrung Jesu als dem HERRN den jüdischen Monotheismus? Was ist der Zweck des Tempels, so er überhaupt noch einen hat, wenn Jesus das perfekte und vollkommene Sühneopfer für Sünde bereits dargebracht hat? Soll die Tora von Nichtjuden angenommen werden und wenn ja, in welcher Weise? Und wie verändert sich die Erwählung Israels angesichts einer offenen Aufforderung an Nichtjuden, den Neuen Bund anzunehmen?

 

Auf diese und ähnliche Fragen gab es sowohl im rabbinischen als auch im messianisch-jüdischen/christlichen Lager unterschiedliche Antworten. Es gab nicht die eine, allumfassende normative Antwort, die man allen „rabbinischen Juden“ oder allen „messianischen Juden/Christen“ während der ersten Jahrhunderte der „Kirche“ hätte zuschreiben können. Das Echo dieser offenen Fragen sowie die weitreichenden Antworten aus dem ersten Jahrhundert kann man heute immer noch hören, sobald es zu missionarischen Begegnungen und theologischem Dialog zwischen „rabbinisch-jüdischen“ und „messianisch-jüdischen/christlichen“ Gruppen kommt. Schlussendlich (und trotz interner Unterschiede im Blick auf wichtige Fragen wie Erwählung, Tora in Theologie und Praxis, Königreich Gottes gegenwärtig und als Verheißung, Einbeziehung der Heiden etc.,) lag damals die Demarkationslinie, die zu der „Wegteilung“ führte, in einem klaren „Ja“ oder „Nein“ zu der Person und dem Werk Jesu (und damit zu dem vierten Offenbarungsereignis). Dies ist keine Überraschung, denn dies war bereits so während des frühen, öffentlichen Dienstes Jesu, wie man zum Beispiel in Johannes 7,37-43 sehen kann; der Text schließt mit den Worten: „Es entstand nun seinetwegen eine Spaltung in der Volksmenge“ [ELB]. 

 

Gemäß dieser Erklärung ist die gegenwärtige jüdische Ablehnung (das jüdische „Nein“) der Offenbarungsbedeutung dieses vierten Ereignisses der Grund für die „Wegteilung“. Es wird angenommen, dass die Trennung während der Zerstörung des Tempels vollzogen wurde, jedoch bis zur vollständigen Anerkennung dauerte es noch Jahrhunderte, bis sie sich vollständig entfaltet, oder eingewurzelt oder vollständig verstanden wurde. In der traditionellen Erklärung kann das gemeinsame biblisch-jüdische Erbe der drei ersten Offenbarungsgeschehen die beiden jüdischen Gruppen nicht zusammenhalten, nämlich jene mit einem „Ja“ zu Jesus und jene mit einem „Nein“ zu Jesus. Eine neue Religion hat sich deshalb ausgebildet, als die „Tochter“ ging oder vielleicht auch aus der Welt der „Mutter“ ausgeschlossen wurde.

 

Diese neue Welt, in die die Tochter eintrat und aufblühte wird oft insbesondere von „rabbinischen Juden“ als eine spezifische nichtjüdische Welt gesehen, die weitgehend vom Hellenismus und breiter gefasst griechischen sowie heidnischen Vorstellungen und Werten geformt wurde. Deshalb wird das Christentum als eine neue religiöse Bewegung verstanden, die abgeschnitten ist vom biblischen Judentum und insbesondere vom rabbinischem Judentum (in seinen verschiedenen Formen nach der Zerstörung des Tempels). Rabbinisches Judentum wird gemäß dieser Erklärung als die autoritative und normative Entwicklung des biblischen Judentums verstanden.

 

Anhänger dieser traditionellen Erklärung spielen gewöhnlich die jüdisch-biblische Herkunft des „Christentums“ herunter und übertreiben konsequenterweise griechische und heidnische Einflüsse. Gleichzeitig wird die Bedeutung der „messianischen Juden“ sowohl im ersten Jahrhundert als auch während der nachfolgenden Kirchengeschichte bis zu den heutigen Tagen oft untergraben. Die rabbinisch-jüdische Seite tendiert dazu, das Christentum als Verfälschung des biblischen Judentums und der darin enthaltenden messianischen Hoffnung darzustellen. Auf der christlichen Seite kann diese Erklärung den Erfolg der Ersatztheologie beschleunigen, da die Betonung auf der Befreiung des Christentums von den „Ketten“ des biblischen Judentums und dem Beginn von etwas Neuem liegt, auf gewisse Weise wird es als ziemlich losgelöst vom jüdischen Glauben und Lebenspraxis betrachtet. In einigen extremen Ausprägungen der Ersatztheologie glaubt man, dass die „Mutter“ tot ist und der einzig angemessene „Reich Gottes“-Blickpunkt auf der neu entstandenen „Tochter“ liegt.

Es gibt auch noch andere Keimzellen für potenzielle Polemik und Konflikte im Kontext dieser Erklärung, wie der Anspruch des „rabbinischen Judentums“, darauf, der einzig wahre Erbe des biblischen Judentums zu sein. Biblisches Judentum floss direkt ins rabbinische Judentum nach der Tempelzerstörung über. Deshalb existiert der Konflikt darüber, wer für sich beanspruchen darf, das wahre „Gottesvolk“ zu sein, das wahre „Israel“ und die tatsächlichen Hüter und Ausleger der Traditionen der Patriarchen und der Propheten. Jedoch kann dieses Konfliktszenarium von zwei Kernrealitäten möglicherweise gedämpft werden.

Erstens erkennt diese Erklärung eine immer noch andauernde Mutter-Tochter-Beziehung (auch wenn es im besten Fall eine etwas dysfunktionale Beziehung ist) an, und zweitens kann ein Beharren auf einer klaren Trennungslinie zwischen „Judentum“ und „Christentum“ in einigen Fällen zu der Entstehung von Formen „gegenseitig anerkennender“ Zwei-Bünde-Theologie führen. Anhänger dieser Theologie glauben, dass dieses Verständnis Raum für einen je eigenen „jüdischen“ und „christlichen“ Weg lässt, der sich im Geiste des gegenseitigen Respekts, der Besonderheit und dem möglichen geteiltem lernen herausbildet. Das folgende Diagramm ist ein Versuch, die traditionelle Erklärung grafisch darzustellen.

 

Grafik 1

Die zweite Erklärung ist um einiges nuancierter als die erste, wenn es um die „Wegteilung“ geht, und sie betont stärker, dass sowohl das rabbinische als auch das „messianische“ Judentum/Christentum einen rechtmäßigen Anspruch darauf haben, das biblische Judentum zu wahren und zu entwickeln. Da ist eine „umstrittene Identität“ im rabbinischen sowie „messianischen“ Judentum /Christentum, um die aufschlussreiche Phrase von James Dunn zu gebrauchen. Das Christentum ist in diesem Modell keine Tochter, die ihre Mutter verlässt (oder dazu gezwungen wird), um einen neuen (vorwiegend nichtjüdischen) Weg in die Zukunft zu finden, vielmehr teilen sich das rabbinische Judentum und das Christentum im gleichen Maße den breiten Strom des biblischen Judentums. Mit anderen Worten: das biblische Judentum mit den drei Offenbarungsgeschehen und zentralen Aussagen bleibt die Mutter, rabbinisches Judentum sowie Christentum nach der Tempelzerstörung sind jedoch Kinder (vielleicht Zwillinge?), beide aus dem selben Mutterschoß des biblischen Judentums aus der Zeit des zweiten Tempels geboren.

 

Das Christentum ist demnach keine neuere Bewegung als das rabbinische Judentum; beide sind aus den unterschiedlichen Reaktionen auf das vierte Offenbarungsereignis und andere zentrale, damit verbundene Faktoren geboren, wie die Zerstörung des Tempels, die wachsende Heidenmission der „Kirche“, die jüdische Vertreibung aus dem Land Israel und die geteilte Verbindung mit der hellenistischen Welt.

 

In dieser Erklärung wird die gemeinsame Geschichte der Interaktion zwischen Juden und Christen und die anschließende gegenseitige Reformulierung und Entwicklung viel stärker berücksichtigt. Die Grenzen zwischen rabbinischen Juden, messianischen Juden und Christen sind in dieser Erklärung daher auch viel fließender. Man ist sich dessen bewusst, dass man zum Beispiel nicht einfach vom Christentum als einer neueren Bewegung als dem rabbinischen Judentum sprechen kann, da beispielsweise der Talmud wesentlich später als die Schriften des Neuen Testaments verfasst wurde. Auch argumentieren Repräsentanten dieser Erklärung oft, dass die vorherrschende hellenistische Welt das aufstrebende rabbinische Judentum genauso beeinflusste und prägte wie die aufkommenden Strömungen des Christentums.

 

Hinsichtlich des hellenistischen Einflusses auf das rabbinische Judentum sollte beachtet werden, dass die Makkabäer, die in vielerlei Hinsicht als Vorläufer der Pharisäer gelten (die wiederum behaupten können, zu den Vorläufern des rabbinischen Judentums nach der Tempelzerstörung zu gehören), eine gewisse Freiheit für das jüdische Leben Judäa gesichert haben, indem sie zentrale Aspekte der hellenistischen Kultur in das Judentum integrierten. Für viele Juden stellte die Integration keine Bedrohung dar und wurde auch nicht als schwieriger Kompromiss gesehen, den sie gezwungen waren, einzugehen, sondern vielmehr als Bereicherung, die willkommen war.

 

Diese zweite Erklärung steigert das Bewusstsein sowohl für die jüdischen Wurzeln des Christentums als auch für die Bedeutung des messianischen Judentums. Sie stützt sich zum Teil auf die gegenwärtige Forschung, die zu „neuen Perspektiven“ auf Paulus und das Judentum zur Zeit des Zweiten Tempels geführt hat, sowie zu einer neuen Suche nach dem historischen Jesus. Diese Suche bestätigt richtigerweise den „jüdischen Jesus“ wie auch Seinen Dienst und Seine auf das Reich Gottes zentrierte Botschaft, die sich so gut im Kontext des späten Judentums des Zweiten Tempel einfügt.

 

Diese an Nuancen reichere moderne Erklärung wurde auch durch jüngste wissenschaftliche Arbeiten unterstützt; sie bekräftigen den jüdischen Kontext des frühen Christentums und bewerten ihn in vielerlei Hinsicht neu. Auch relativ neue Entdeckungen wie die Qumranschriften (1948), Nag Hammadi Texte (1945) und die die Didache (1873) haben nützliches Quellenmaterial beigetragen, das zur Erforschung der zahlreichen Verflechtungen zwischen dem Judentum des Zweiten Tempels und dem entstehenden „messianischen Judentum/Christentum“ beiträgt.

 

Das folgende Diagramm ist ein Versuch, die zweite Erklärung zu illustrieren.

Die dritte Erklärung ist wahrscheinlich weniger bekannt und seltener erprobt, vereinfacht gesagt, ist sie die Umkehrung der ersten, traditionelle, Erklärung. Folglich betrachtet sie das „messianische Judentum/Christentum“ als den wahren Erben des biblischen Judentums. Nach dieser Erklärung gibt es keinen signifikanten theologischen Bruch zwischen dem biblischen Judentum und dem entstehenden „messianischen Judentum/Christentum“. Dem jüdischen „Nein“ zu Jesus folgte eine einfache historische Anomalie, nämlich die Entstehung eines einzigen jüdischen Strangs (neben dem „messianischen Judentum/Christentum“), der die Zerstörung des Tempels überlebte, das rabbinische Judentum. Dieser Strang ist gemäß der Erklärung eine falsche Entwicklung, wenn es darum geht, die Hauptüberzeugungen des biblischen Judentums zu bewahren.

Man betrachtet (in dieser Erklärung) das rabbinische Judentum nach der Tempelzerstörung weitgehend als postmessianisch-jüdisches bzw. nachchristliches Konstrukt. Dieses Verständnis prägte einige der frühen Kirchenväter; zum Beispiel Ignatius, der mit Eifer darlegte, dass das Christentum nicht auf dem Judentum basiert, sondern das Judentum auf dem Christentum. Gleiches gilt für Justin den Märtyrer, er lehrte, dass jüdische Gläubige in die Kirche eingepfropft würden um an dem Erbe der gläubigen Heiden zu haben. Ein solches Verständnis ist natürlich stellt natürlich eine völlige Umkehr der paulinischen Lehre dar (Röm 9-11), wonach es die heidnischen Gläubigen sind, die sich dem wahren Israel anschließen, bestehend aus jüdischen Gläubigen (dem treuen Rest), damit sie am Erbe und den Segnungen des Evangeliums vollständig teilhaben. Bei der Aufrechterhaltung dieser Erklärung besteht die potentielle Versuchung, das rabbinische Judentum nach der Tempelzerstörung abzuwerten und manchmal auch (vielleicht unabsichtlich?) die jüdische Identität selbst abzuwerten. Gleichzeitig würde diese Erklärung jedoch versuchen, das Christentum in ihrem biblisch-jüdischen Erbe als wahren Erben und Interpret dieses reichen biblischen Erbes zu verankern.

Das Diagramm unten ist ein Versuch, die Erklärung zu illustrieren.

In diesen drei Erklärungsansätzen steht viel auf dem Spiel, wie schon in der Einleitung anklang, denn wie sich jemand zu einer der Erklärungen verhält, ob er sie akzeptiert, ablehnt oder weiterentwickelt, hat Auswirkungen auf unsere Einstellung gegenüber der Schrift und den unterschiedlichen Traditionen. Es wird auch unser Verständnis der jüdischen und der christlichen Identität sowie damit assoziierte Themen wie Autorität, Spiritualität und Missionsstrategien beeinflussen.

Auf der Suche nach einer hilfreichen Illustration oder der Traum von Nieten, gewundenen Flüssen, Schleifen, Gauklern und schwindenden Fäden

Die drei Erklärungsansätze, die ich hier präsentiert habe, verstehen die „Wegteilung“ als Strom (oder Fluss), der neue, eigenständige Kanäle als Antwort auf Jesu Dienst und die Zerstörung des Tempels kreiert. Das Bild eines Stromes/Flusses war für einige hilfreich und ich habe versucht, es in meinem Buch „The Case for Enlargement Theology“ weiterzuentwickeln. Hier jedoch wird das Bild des Flusses über die anfängliche „Wegteilung“ hinaus erweitert. Ich schrieb hier: „Der Fluss fließt durch die Zeit, nimmt eine bestimmte Richtung gezielt an, nachdem es seiner ursprünglichen Quelle entsprungen ist, genau genommen der Berufung Abrahams. Der Fluss wird weiter und tiefer, da er durch die Segnungen der Bündnisse gespeist wird (Röm 9,3-5), doch von Zeit zu Zeit schwindet der Flusslauf und erscheint, als Folge des Gerichts Gottes und des Exils für Israel trocken. In der Fülle göttlicher Bündnisse wird der Fluss auf wunderbare Weise durch eine neue Quelle, Jesus und sein Werk, aufgefrischt und erweitert. Hier geht der Fluss in einen neuen Zufluss über, die Versammlung der Heiden. Doch an genau diesem Punkt der Erweiterung teilt sich der Fluss, ein Teil des Flusses scheint blockiert zu sein, eine Verhärtung entsteht. Von nun an bildet sich ein Flussdelta mit drei unterschiedlichen jedoch untereinander verbundenen Strömen aus. Da die Ströme in das eine Delta fließen, ist manchmal schwierig die künftigen Richtungen der Ströme abzustecken, denn mal fließen sie isoliert von einander, und dann wieder innerhalb gemeinsamer Grenzen. Doch die Verheißung bleibt, dass die drei unterschiedlichen und doch untereinander verbundenen Ströme innerhalb des einen Deltas eines Tages im Meer münden und eins werden. Das Meer in diesem Bild repräsentiert die Vollendung der Bündnisse Gottes.

 

Alle Metaphern haben ihre Grenzen und es fehlt ihnen an Präzision. Doch hoffe ich, dass das Bild des Flusses nützlich ist, wenn es darum geht, Kontinuitäten und Diskontinuitäten, Verbundenheit und Unterschiedlichkeit, die Einheit ohne Gleichförmigkeit des dreifachen „Gottesvolkes“ innerhalb der Bedingungen und Einsichten der „Enlargement Theology“.

 

Andere Bilder, Modelle und Metaphern wurden vorgeschlagen. Auf das Bild der „Mutter-Tochter-Beziehung“ bin ich bereits zu sprechen gekommen, oder auf das Bild von Zwillingen, die getrennte Wege gehen. Bei alldem ist wichtig zu beachten, dass das klarste Bild uns von Paulus in Römer 11 vermittelt wird, die Lehre von dem einen Olivenbaum mit einer Wurzel und vielen Zweigen. Diese Zweige werden nach Gottes Ratschluss manchmal eingepfropft und manchmal herausgeschnitten.

Ergänzend zu diesem biblischen Bild von dem Olivenbaum fand ich auch andere Veranschaulichungen und Metaphern hilfreich. Erstens Karl Barth, der unter Berufung auf die paulinische Lehre in Römer 11 darlegt:  „Es gibt zwei auserwählten Gemeinschaften. Zwei Pole, zwischen denen sich die Geschichte bewegt (in einer Richtung von hier nach dort), aber so, dass sich der Bogen des einen Bundes über das Ganze wölbt. Bei aller notwendigen Schärfe ist daher auch Zurückhaltung geboten. Der Gegensatz zwischen beiden kann nicht nicht in absoluten Begriffen formuliert werden. Hinter und über der menschlichen Hartnäckigkeit, die für die israelitische Form der Gemeinschaft charakteristisch ist, steht zwar die göttliche Ablehnung, aber es steht auch die Erwählung Gottes, in der Er sich selbst entschlossen hat, die Ablehnung auf sich zu nehmen. Und hinter und über der göttlichen Berufung, die für die Kirchenform der Gemeinschaft charakteristisch ist, steht auch die Ablehnung, die Gott selbst angenommen hat. Die unauslöschliche Differenzen der beiden Gemeinschaftsformen muss sicher berücksichtigt werden. Es ist aber auch zu beachten, dass dadurch seine unauflösliche Einheit ans Licht gebracht wird.

 

Zweitens die Reflexionen David Sterns zu  Römer 11: „Traditionelle jüdische Theologie sieht Gott als jemanden, der einen Ball in die Luft wirft, die Juden. Christliche Ersatztheologie sieht ihn als jemanden, der den jüdischen Ball in der Vergangenheit in die Luft geworfen hat, doch jetzt hat er ihn fallen lassen und jongliert mit dem christlichen Ball. Die Zwei-Bünde-Theologie und der Dispensationalismus sieht Gott etwas koordinierter – er kann mit beiden Bällen gleichzeitig jonglieren, mit Juden und Christen. Aber nur die „Olivenbaum-Theologie“ schreibt Gott die Fähigkeit zu, mit allen drei Bällen auf einmal zu jonglieren, also heidnische Christen, messianische Juden und nichtmessianische Juden, ohne einen von ihnen auf den Boden fallen zu lassen.“

 

Drittens finden sich bei James Dunn zwei hilfreiche Bilder. Doch bevor er die Metaphern von schwindenden Kleidern und platzenden Nieten einführt, schickt er in weiser Voraussicht voran, dass keine Illustration und kein Bild den komplexen historischen Prozess bzw. die Entwicklung adäquat beschreiben könne. Dann schreibt: „Die wahrscheinlich einfachste Bildsprache, die wir hier verwenden können, ist der Vorgang, bei dem Teile eines Kleidungsstücks im Laufe der Zeit auseinandergerissen werden, weil die Fäden, die sich durch ständiges Tragen abnutzen, zu reißen beginnen, oder die platzenden Nieten, wenn das stürmische Meer unerträglichen Druck auf die Metallplatten eines Schiffes ausübt, und so weiter. Solche Bilder sind immer noch unzureichend, aber legt man den Fokus auf die Spannungen zwischen Juden und Jesusgläubigen und nicht zuletzt auch der jüdischen Jesusgläubigen, bringt man damit am ehesten das zutage, was irgendwann einmal zu den unvereinbaren Merkmalen wurde, die das Entstehen der zwei verschiedenen (und entgegengesetzten) Identitäten beförderten.“

 

Wie ich bereits sagte, finde ich Illustrationen und Bilder hilfreich, um die „Wegteilung“ in Ansätzen verstehen und erklären zu können. Wie es allerdings in der Theologie so ist (insbesondere in den Bereichen der Christologie und Trinität), kommt man schnell an sprachliche Grenzen, wenn man nach systematischen Ausdrucksformen der theologischen Wahrheit, lehrmäßigen Überzeugungen und komplexen historischen Bewegungen sucht.

 

Tiefer eintauchen oder der Blick hinter die Erklärungen

Bevor du dir eine der Erklärungen für die „Wegteilung“ aussuchst (oder noch besser, eine neue anbietest!) und dich auf eines der hilfreichen Bilder oder Metaphern stützt, um den Gedanken zu veranschaulichen, sollten wir zunächst einige der Schlüsselfaktoren betrachten, die auf diese Erklärungen einwirken und sie formen. Meiner Ansicht nach gibt es vier zentrale Faktoren, die wir in Betracht ziehen müssen:

 

1. Die Diversität innerhalb des Judentums im 1. Jahrhundert.

 

Es sieht so aus, als würden alle drei Erklärungsansätze das biblische Judentum als einheitliche, monokulturelle religiöse Bewegung sehen. Das biblische Judentum wird als der „eine Weg“ dargestellt, der sich dann teilt und zwei neue Wege ausbildet: das rabbinische Judentum nach der Tempelzerstörung und das Christentum. Das war im 1. Jahrhundert eindeutig nicht der Fall und vermutlich auch sonst nie. In der Zeit des 1. Jahrhunderts bis zur Zerstörung des Tempels gab es mindestens fünf unterschiedliche jüdische Gruppierungen, Sekten, Lehrschulen und Parteien. Ich glaube, es ist hilfreich, in jeder Diskussion über das biblische Judentum zu der Zeit Jesu auch über seine vielseitigen Ausprägungen zu sprechen. Einige Wissenschaftler sprechen sogar von verschiedenen biblischen Judentümern. Das allerdings verwirrt mehr als es hilft, denke ich, denn trotz der reellen Unterschiede und der Vielstimmigkeit, die uns in den verschiedenen Spielarten des biblischen Judentums entgegentreten, existierte immer auch eine übergreifende und einigende jüdische Identität sowie historische Kontinuität. Zum Beispiel gibt es klare und weitgehend anerkannte Unterschiedene zwischen Juden und Samaritanern. Diese „jüdische Einheit“ basiert auf dem Glauben an die Erwählung Israels, der Ehrfurcht vor Tora und Tempel und, allen voran, dem Glauben an den einen wahren Gott, der Gott Israels, der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs.

 

Eine detaillierte Untersuchung der Spielarten ist sehr hilfreich bei der Betrachtung der „Wegteilung“. Der entscheidende Punkt im Hinblick auf die „Wegteilung“ ist die Erkenntnis, dass das „messianische Judentum/Christentum“ zumindest in der Zeit vor der Tempelzerstörung als Teil der jüdischen Welt betrachtet werden muss. Unter diesem Gesichtspunkt muss die missionarische Tätigkeit, die von der ersten Generation der „messianischen Juden/Christen“ ausging, als eine herausfordernde Erneuerungsbotschaft, die sich in erster Linie auf das Judentum selbst konzentrierte, gesehen werden, bevor sie in den meisten späteren Kontexten zu einer herausfordernden, externen Botschaft an das „normative“ Judentum wurde. 

 

Die fünf Parteien sind (ohne spezifische Reihenfolge): Sadduzäer, Pharisäer, messianische Juden/Christen, Zeloten und Essener. Allen fünf Gruppen war gemein, dass sie die wahre jüdische Identität, eine Verpflichtung der Tora gegenüber und die Vision des kommenden Gottesreiches für sich beanspruchten. Doch das jeweilige Verständnis der Identität, der Tora-Observanz und der Reich-Gottes-Vision barg unvereinbare Unterschiede und man vertrat besondere, manchmal auch widersprüchliche Überzeugungen. Wir werfen nun nacheinander einen kurzen Blick auf jede dieser Parteien und dabei anerkennen, dass alle Parteien in sich unterschiedliche Stränge hatten und keine als strickt einheitlich gelten kann.

 

Die Pharisäer: Eine der drei Parteien (neben den Sadduzäern und Essenern), die Josephus erwähnt. Pharisäische Gruppen blühten wahrscheinlich im späten 2. Jahrhundert vor Chr. auf und betonten die Absonderung (das hebräische Wort „Peruschim“ bedeutet „trennen“) von nicht religiösen Angelegenheiten und eine Verpflichtung, die Tora im Alltag kennenzulernen und treu zu leben. Einige Forscher gehen davon aus, dass der eigentliche Grund für die Trennung dem Wunsch entsprang, sich von den Werten und Taten der Sadduzäer zu distanzieren.

 

Die Pharisäer unterschieden sich von den Sadduzäern in drei wichtigen Punkten: Die Pharisäer glaubten an die Gabe der „mündlichen Tora“, hatten einen gut entwickelten Glauben an das Leben nach dem Tod und an das Reich von Engeln und Geistern. In den Evangelien hatte Jesus viele Konflikte mit den Pharisäern, doch in vielerlei Hinsicht schien er den Pharisäern näher zu stehen als jeder anderen jüdischen Gruppe und vielleicht deutet das Neue Testament eine größere Offenheit der Pharisäer der „christlichen“ Botschaft gegenüber an, als es bei den Sadduzäern und anderen jüdischen Gruppen der Fall war. In einigen Bereichen des christlichen und jüdischen Denkens gelten Pharisäer als direkte Vorläufer des rabbinischen Judentums nach dem Tempel. Während es einige starke Verbindungen zwischen dem rabbinischen Judentum, das nach der Tempelzerstörung wieder auftauchte und aufgebaut wurde, beginnend in Yavneh (und später in Galiläa, zuerst in Sepphoris und dann in Tiberias) und den Pharisäern zur Zeit Jesu gibt, wird die direkte, nahtlose Kontinuität zwischen den beiden, denke ich, oft überbewertet. Ich glaube nicht, dass es uns weiterführt, einfach zu sagen, dass das pharisäische Judentum nach der Zerstörung des Tempels zum rabbinischen Judentum wurde. Dies hat zwei Hauptgründe. Erstens distanzierte sich der anerkannte Führer des wiederhergestellten rabbinischen Judentums, Jochanan ben Zakkai, ausdrücklich von den Pharisäern (und Sadduzäern) und grenzte auch die aufkommende Bewegung von ihnen ab. Zweitens waren die Pharisäer zur Zeit Jesu tief im Judentum verwurzelt und hatten einen zentralen Tempel. Diese Tempelidentität sollte nicht unterschätzt werden und die Wiederherstellung des jüdischen Lebens in Yavneh (mit seiner Akademie und dem späteren rabbinischen Konzil) ist eindeutig eine Rekonstruktion des Judentums ohne den Tempel. Von einer direkten Kontinuität zu sprechen, bedeutet daher, die Verbindung zu überschätzen und die Bedeutung des Verlustes des Tempels für die Pharisäer zu unterschätzen.

 

Die Sadduzäer: Jüdische Religionsführer, die ihre Abstammung direkt auf Zadok, den Priester, zurückführten (1. Könige 1 und Hesekiel 44: 15-16). Sie waren eng mit priesterlichen Tempeltraditionen und der jüdischen „Aristokratie“ verbunden. Sie lehnten die mündlich begründeten Traditionen für die Interpretation der Tora ab und versuchten, die geschriebene (offenbarte) Tora aufrechtzuerhalten. Es scheint, als hätten die Sadduzäer eine führende Rolle bei der Ablehnung der Lehre der Apostel eingenommen, so wie auch bei der Bekämpfung der entstehenden „messianisch-jüdischen/christlichen“ Gemeinschaften.

 

Messianische Juden/Christen: Eine neue jüdische Sekte, die sich auf die Lehre und das Werk Jesu von Nazareth konzentriert und ihr treu ist. Sie glaubten, dass Jesus der lang verheißene Messias Israels und der Herr über alles ist und dass durch seinen Sühnentod, seine Auferstehung, die Ausgießung seines Geistes und seine herrliche Rückkehr sämtliche Verheißungen an die Patriarchen (Römer 15: 8) erfüllt werden, und Gottes Königreichsziele vollständig verwirklicht werken. Die Weitergabe dieser „guten Nachricht“ würde das Erreichen aller Gruppen von Menschen aus jedem Stamm und jeder Nation einschließen. Dabei glaubten sie, dass sie durch den Heiligen Geist/den Geist des heraufgestiegenen Jesus gestärkt und ausgestattet würden.

 

Die Zeloten: Eine jüdische Sekte, die sich dem militärischen Aufstand gegen die römischen Besatzer des Landes Israel verschrieben hat. Im Zentrum ihrer Identität stand ein „Eifer“ für die Tora und die Herrschaft Gottes. Dieser Eifer wurde oft durch eschatologische und messianische Erwartungen angeregt und äußerte sich in Ausbrüchen religiöser Wut. Die Zeloten behaupteten oft, sie würden von Judas von Gamala abstammen, der im Jahr 6 n. Chr. einen großen jüdischen Aufstand anführte. Die Zeloten werden auch mit dem jüdischen Widerstand auf Masada assoziiert. In der Mischna wird das hebräische Wort "Kannaim" verwendet, wenn auf diese Sekte Bezug genommen wird. In der modernen Wissenschaft gibt es viele Debatten darüber, wie (wenn es überhaupt welche gab) die Beziehung zwischen den Zeloten, den Separatisten in Qumran und anderen jüdischen Gruppen, die sich während dieser turbulenten Periode des ersten Jahrhunderts gegen die römische Herrschaft aussprachen, waren.

 

Die Essener: Eine jüdische Sekte, die gemeinhin mit einem asketischen und separatistischen Lebensstil verbindet. Sie hatten wahrscheinlich ihren Ursprung im späten 2. Jahrhundert v. Chr. Und lehnten das ab, was sie als Korruption in der jüdischen Führung und im Tempel betrachteten. Philo, Plinius und Josephus erwähnen die Essener, im Talmud jedoch kommen sie nicht vor und sie scheinen nur wenig Einfluss auf die spätere Entwicklung des jüdischen Lebens oder des religiösen Denkens nach der Zerstörung des Tempels gehabt zu haben.

Die Essener zeichneten sich durch eine starke eschatologische Denkweise aus, die, zusammen mit einer separatistischen Identität, die das „wahre Israel“ neu definieren wollte, Teil dieser Gruppe war. Einige Gelehrte meinen, es gäbe eine Verbindung zwischen den Essenern und Johannes dem Täufer, und noch direkter zu der Qumrangemeinschaft vom Toten Meer. Es ist schwierig zu wissen, wie viel Kontakt (wenn überhaupt) Jesus oder frühe "messianische Juden/Christen" mit den Essenern hatten, aber es gibt eine Tradition, dass das letzte Passamahl Jesus mit dem inneren Zirkel seiner Jünger in einem Gästehaus der Essener in Jerusalem stattfand.

 

2. Der große Einfluss des Hellenismus.

 

Alle drei Erklärungen scheinen das biblische Judentum als eine Bewegung darzustellen, die gegen äußere Einflüsse weitgehend immun ist. Doch zur Zeit Jesu war das Land Israel fast einhundert Jahre lang unter römischer Herrschaft. Auch zuvor, seit Alexander dem Großen, hatte der Hellenismus in vielen Bereichen des jüdischen Denkens und Handelns einen hohen Stellenwert. In diesem Zusammenhang ist anzumerken, dass viele Makkabäer, die die Herrscherdynastie der Hasmonäer begründeten, stark vom Hellenismus beeinflusst wurden. Jerusalem zur Zeit Jesu war daher eine weitgehend hellenistische Stadt und das kulturelle und kommerzielle Leben in Galiläa war weitgehend von den großen hellenistischen Städten Tiberias und Sepphoris geprägt. Das ganze Land stand unter römischer Kontrolle und die griechische Sprache war weit verbreitet (nichts ist antijüdisch an der Tatsache, dass das Neue Testament in griechisch verfasst wurde).

Diese Einsicht sollte uns aufmerken lassen, wenn einige die wesentlichen Unterschiede zwischen dem Judentum im Land Israel und dem Judentum in der Diaspora hervorheben wollen. Natürlich gab es Unterschiede, aber eine Analyse zur "Wegteilung", die das Wachstum des Christentums ausschließlich mit einem hellenistischen Diasporakontext verbindet, überspielt sie nur. Sie ignoriert sowohl den hellenistischen Einfluss in Israel als auch die biblischen Beweise für die Bedeutung des Landes Israel und insbesondere Jerusalems als den Hauptkontext für das frühe und bedeutende christliche Wachstum, wie es in biblischen Schlüsseltexten z.B. Apostelgeschichte 2:46, 15:4 und 21:20 bezeugt wird. Jerusalem ist der Ort, wo die entscheidenden Taten Jesu stattfanden und wo die erste bedeutende „messianisch jüdische/christliche“ Ausdehnung erfolgte, einher gehend mit ersten organisatorischen und lehrmäßigen Entscheidungen der entstehenden „Kirche“.

 

Es ist auch wichtig anzumerken, dass die römischen Besatzer des Landes ihr eigenes reiches religiöses und kulturelles Leben mitbrachten. Als Teil ihrer religiösen Denkweise gab es ein gewisses Maß an Toleranz und sogar Respekt für die religiösen Praktiken anderer, und einige jüdische Führer zu der Zeit Jesu schienen zufrieden zu sein, Cäsar zu geben, was Cäsars ist, solange sie dem HERRN frei geben konnten, was dem HERRN gehört. Eine solche Ansicht könnte sich auf die Sadduzäer, die „messianischen Juden/Christen“ sowie die Pharisäer beziehen, die im vorherigen Abschnitt erwähnt wurden. Doch für andere, wie die Zeloten, war es religiös zwingend erforderlich, alles in ihrer Macht stehende zu tun, um das Joch der Besatzer abzuwerfen. Diese religiöse Überzeugung gebar viele jüdische Gruppen, die wir allgemein als „Zeloten“ bezeichnen können (wie im frühen Segment beschrieben). Solche Gruppen verbinden wir mit denjenigen, die während des jüdisch-römischen Krieges (67-70) an der Spitze des jüdischen Militärwiderstands standen, was zur Zerstörung des Tempels führte und zu dem späteren gescheiterten Bar Kochba-Aufstand (132-135). 

Diese Bandbreite der jüdischen Reaktion auf die römische Herrschaft (und die damit verbundenen hellenistischen kulturellen Werte) sollte keine Überraschung sein, da dies schon einige Generationen zuvor eindeutig der Fall war. Denn als Pompeius 63 v. Chr. in Jerusalem einmarschierte, hießen ihn viele Juden willkommen, und die Stadttore wurden für sein Gefolge geöffnet. Wieder andere versammelten sich zur gleichen Zeit auf dem Tempelberg und organisierten einen kurzlebigen, aber erbitterten militärischen Widerstand.

 

 

3. Die Bedeutung des Tempels für das Brauchtum und die Werte des biblischen Judentums.

 

Der Einfluss und die Einstellung zum Tempel prägten alle Arten des biblischen Judentums. Man kann die Bedeutung des Tempels nicht hoch genug einschätzen. Es war der Tempel, der Jerusalem sein Schicksal und seine Ausrichtung und damit auch seine vereinigende Rolle für die gesamte jüdische Welt verlieh. Der Tempel wies auf die Hoffnung auf Sühne und die Realität der Gegenwart Gottes hin. So wie Israel als das Zentrum der Welt und Jerusalem als das Zentrum Israels angesehen wurde, so war der Tempel das Zentrum Jerusalems. Und in der Mitte des Tempels befand sich das Allerheiligste, dem der Hohepriester diente, dem wiederum führende Priester folgten und dann, ausgehend von dem Zentrum mit den Priestern nach außen, kamen die Leviten, (Helfer der Priester), ortsansässige Gläubige und  schließlich regelmäßige oder gelegentlichen Pilger, die sich zu den drei jährlichen Festen versammelten. Innerhalb dieser Pilgerkategorie gab es viele nichtjüdische Gottesfürchtige. Die Auswirkung des Tempels auf Besuchszahlen und Wirtschaftstätigkeit, geschweige denn seine religiöse Bedeutung, kann nicht überbewertet werden.

 

Der Tempel war eindeutig einer der einigenden Faktoren des biblischen Judentums, aber die damit verbundenen Probleme der Reinheit, Identität und Spiritualität unterschieden sich stark innerhalb der verschiedenen Formen des Judentums zur Zeit des zweiten Tempels. Es ist erwähnenswert, dass nach der Zerstörung des Tempels nur das „messianische Judentum/Christentum“ überlebt hat. In vielerlei Hinsicht hat die Zerstörung des Tempels die "messianisch-jüdisch/christliche" Erzählung mit ihrer doppelten Betonung der Erneuerung des Tempels als Wohnort des Heiligen Geistes (der im Herzen eines jeden wahren Gläubigen ist) und der Feier, dass das Sühneopfer ein für allemal durch den Tod Jesu geschehen ist (Hebräer 2,17), bestätigt. Es war nicht so, dass der Tempel schlecht oder wertlos war. Im Gegenteil, die Tempelterminologie wird im gesamten Neuen Testament häufig verwendet, um das durch den Tod Jesu erreichte Sühneopfer zu erklären (siehe zum Beispiel Römer 3: 22-25 und Hebräer 9-10). Auch die frühen Gläubigen, die der Tradition Jesu selbst folgten, trafen sich regelmäßig im Tempel, um zu lehren, zu beten und Gemeinschaft zu haben. Es war einfach so, dass der Tempel für die Entfaltung der Erlösungsziele Gottes nicht mehr wesentlich war.  Die Tatsache, dass der Tempel nicht mehr notwendig war, spiegelt sich wahrscheinlich auch in den Titeln wider, die den aufstrebenden Führern in der „Kirche“ verliehen wurden. Im Neuen Testament stammt keiner der Titel aus dem Tempel- oder Priesterkult, diese scheinen hauptsächlich funktional zu sein, z. B.: Diakon (Assistent), Presbyter (Ältester), Aufseher (Führer / Bischof). Der Gottesdienst der „Kirche“ repliziert nicht den Tempel unter der Führung von Priestern, vielmehr sind innerhalb der „Kirche“ alle Anbeter jetzt in gewisser Weise „Priester“ und bilden zusammen den „Tempel“ Gottes.

Doch für diejenigen, für die der Tempel von wesentlicher Bedeutung war, konnte seine Zerstörung nichts anderes als das Ende ihres religiösen Lebens bedeuten. Als der Tempel zerstört wurde, wurden die Priester während ihres Dienstes abgeschlachtet, und so verloren sie alles, genauso wie diejenigen, die ihnen nahe standen, nämlich die Sadduzäer und viele der Pharisäer, aber auch andere Schriftgelehrte und rabbinische Führer. Die Zeloten kämpften bis zum Ende, aber das Ende kam schnell. Die Essener hatten vielleicht gehofft, dass sie an ihrem abgelegenen Ort in der Wüste in Sicherheit bleiben würden oder dass Gott auf wundersame Weise eingreifen würde, um sie zu retten und zu verteidigen, aber ihr Zentrum in Qumran fiel auch etwa ein Jahr zuvor den selben Kräften zum Opfer, die schon den Tempel zerstörten. Die Zerstörung war so total, dass sie sich nie mehr erholten.

Doch aus dieser Asche der Zerstörung wurde ein neu formuliertes rabbinisches Judentum geboren, das in einer Welt nach dem Tempel aufwuchs. Für einige im aufstrebenden rabbinischen Judentum galt der Verlust des Tempels bald als Ansporn für neue theologische Entwicklungen, für andere blieb der Verlust jedoch eine Quelle immenser Trauer, denn der Tempel wurde als untrennbarer Teil der Tora betrachtet, der sie sich voll und ganz widmen wollten. Die Zerstörung des Tempels war in erster Linie eine politische Handlung der römischen Besatzer, doch die langfristige Folge war für das jüdische Volk in erster Linie religiös.

 

4. Die Herausforderung der sanften Inklusion.

 

Nichtjüdische Menschen waren oft von der Schönheit und Wahrheit des biblischen Judentums angezogen worden. Der Ruf des Monotheismus, die Ehrfurcht vor dem Tempelkult, der Schwerpunkt des Lebens in der Tora und der radikale Appell der Propheten zogen viele gottesfürchtige Nichtjuden in den Kreis des biblischen Judentums. Dies spiegelt die Berufung Israels, „Licht für die Völker“ zu sein, wider. Doch im Kern bewahrte das biblische Judentum eine ethnische Identität. Oft war diese ethnische Identität mit einem bestimmten geografischen Ort verbunden, nämlich Judäa oder Israel. Zur Zeit Jesu versuchten einige jüdische Gruppen offenbar, Nichtjuden zu erreichen, mit der Absicht, dass sie schließlich Proselyten werden und in die jüdische Abstammung einbezogen würden. Es ist jedoch unklar, wie weitreichend diese „nichtjüdische Reichweite“ war, während der gesamten Zeit des Zweiten Tempels (siehe zum Beispiel Esra 9-11) war das Judentum in erster Linie ethnischer Natur. Die „messianisch-jüdisch/christliche“ Bewegung begann jedoch bald durch ihre universelle missionarische Berufung entschlossen und gezielt Nichtjuden zu erreichen. Eines der auffälligsten Dinge am Wachstum der „Kirche“ war die Geschwindigkeit und Reichweite ihres Wachstums, insbesondere bei den Heiden, von denen viele bereits gottesfürchtig waren. Das Muster dieser Missionsarbeit zusammen mit ihrer Wachstumsgeschwindigkeit ist in der Apostelgeschichte dargelegt, und die Auswirkungen dieses Wachstums liefern den Inhalt für einen Großteil der in den neutestamentlichen Briefen enthaltenen Lehren.

 

Dieses nichtjüdische Wachstum baute auf dem jüdischen Wachstum der ersten Jahrzehnte der Kirche auf (Apostelgeschichte 6: 7 und Apostelgeschichte 21:20), und diese jüdischen Gläubigen an Jesus freuten sich allgemein über diese nichtjüdische Mission, wie das Konzil von Jerusalem in Apostelgeschichte 15 berichtet. Die Inklusion der Nichtjuden wurde von den frühen jüdischen Gläubigen nie abgelehnt. Vielleicht unvermeidlich, wenn auch nicht absichtlich, verlor die Kirche aufgrund der großen Zahl von Nichtjudenkonvertierten und der weitreichenden Reichweite missionarischer Aktivitäten allmählich Aspekte ihrer jüdischen ethnischen Identität. Zweifellos wurde die „Kirche“, sicherlich bis zur Zerstörung des Tempels und wohl bis weit ins 2. Jahrhundert hinein, von vielen als jüdische Bewegung angesehen, obwohl sie das Judentum ohne einen vorherrschenden rabbinischen oder priesterlichen Schwerpunkt definierte. Bis zum Ende des zweiten Jahrhunderts hatte die Kirche jedoch ihre jüdische Ausrichtung weitgehend auf die meisten Menschen verloren, und die christliche Kirche wurde oft als vom jüdischen Volk verschieden angesehen, vielleicht als eine neue vierte "Rasse", wenn man Aristides 'Aussage wann verwenden will dem Kaiser Hadrian (117-138) zu berichten, dass es jetzt "vier Rassen auf der Welt gibt, Barbaren, Griechen, Juden und Christen". Das messianisch-jüdische Leben ging weiter, aber manchmal schien es in getrennten Kanälen jenseits der hauptsächlich jetzt heidnischen geführten Kirche zu verlaufen, sondern in Kanälen, die manchmal als Nasiräer oder Ebioniten bezeichnet wurden. Solche Gruppen wurden von der ganzen Kirche oft mit Argwohn betrachtet, teilweise aufgrund der Annahme, dass diese Gruppen ketzerische Ideen förderten, die oft mit einer weniger „entwickelten Christologie“ oder mit „eifrigen und separatistischen Formen der Einhaltung der Tora“ in Verbindung gebracht wurden.

 

Bis zum Ende des vierten Jahrhunderts hatte das messianisch-jüdische Leben in der Kirche sicherlich keine größere Führungsrolle oder theologische Bedeutung mehr. Diese Aufgabe war zum Teil auf die Dominanz der nichtjüdischen Identität in der Kirche und zum Teil auf die Dominanz eines rabbinischen jüdischen Lebens zurückzuführen, das mit seinem Nein zu den Ansprüchen Jesu in der jüdischen Welt im weiteren Sinne aufschlug. Die Identität der messianischen Juden wurde daher "gequetscht", und ihre Legitimität wurde von beiden Seiten in Frage gestellt; von dem rabbinischen Judentum in der Zeit nach dem Tempel und von dem aufkommenden (hauptsächlich von Nichtjuden geführten) Christentum. Oft, wenn man die "Wegteilung" betrachtet und erklärt, ist es das später größtenteils "nichtjüdische Christentum" mit seiner eigenen antijüdischen Polemik und Praxis, das die Sicht auf die frühere „Wegteilung“ verzerrt. 

Ein Ausblick oder Schlussfolgerungen

Ich habe bisher drei Erklärungen für die sogenannte "Wegteilung" zusammen mit einer Reihe von Abbildungen und Metaphern vorgelegt, die hoffentlich etwas Licht in diese Erklärungen bringen. Ich habe auch vier Schlüsselfaktoren umrissen; das heißt, die Verschiedenartigkeit innerhalb des Judentums des ersten Jahrhunderts, der weitreichende Einfluss des Hellenismus, die Bedeutung des Tempels (und seine Zerstörung) und die Herausforderung der nichtjüdischen Inklusion, die alle in Betracht gezogen werden müssen, um die „Wegteilung“, die in den ersten Jahrzehnten nach der Lehre Jesu stattfand zu verstehen und zu beschreiben. Um eine abschließende Erklärung für die in Bezug auf „Wegteilung“ abzugeben: ich bin von der zweiten Erklärung angetan. Diese Erklärung muss jedoch erweitert werden, um die Vielfalt innerhalb des Stroms des biblischen Judentums und sowohl innerhalb des aufkommenden Christentums (mit dem bedeutenden Input, der sich aus der Einbeziehung der Heiden ergibt) als auch des rabbinischen Judentums zu zeigen. Für mich bedeutet diese zweite Erklärung zu Recht, dass sowohl das rabbinische Judentum nach dem Tempel als auch das „messianische Judentum/Christentum“ einen legitimen Erbanspruch gegenüber dem biblischen Judentum haben. Beide Richtungen als Geschwister zu verstehen, entspricht eher den Ereignissen, als von Mutter und Tochter zu sprechen. Außerdem vermeidet diese zweite Erklärung hierarchische Sichtweisen, wonach eine Richtung sich als einziger (normativer) Erbe des biblischen Judentums versteht und so an Bedeutung gewinnt.

 

Heutzutage wird unser Rückblick auf diese „Wegteilung“ oft gefiltert und möglicherweise durch die Linse des nachfolgenden Wachstums und der Wechselwirkungen der Geschwister in den letzten zwei Jahrtausenden verwischt. Auch unser Blick nach vorne ist gleichermaßen gefiltert und unscharf. Für uns alle, die wir möchten, dass die Begegnungen mit dem jüdischen Volk heute biblisch klug und vom Geist geleitet sind, gibt es meines Erachtens vier Überzeugungen, die wir trotz der verwischenden Komplexität der Geschichte klar im Fokus behalten müssen. 

 

Erstens ist es wichtig, dass das Christentum aus dem biblischen Judentum geboren wird. Es ist eine legitime Kontinuität, die gefeiert und erforscht werden muss. Es ist für die Kirche von entscheidender Bedeutung, in Zeiten der Erneuerung, der Reformation und des neuen Ausdrucks sowie in Zeiten der Uneinigkeit und des Verfalls des Kampfes ihre biblisch-jüdischen Wurzeln nicht aus den Augen zu verlieren. Denn diese Wurzeln erhalten, nähren und segnen.

 

Zweitens und ausgehend von der ersten Überzeugung ist die Behauptung, dass ein jüdisches „Ja“ zu Jesus theologisch, historisch und erfahrungsmäßig angemessen ist. Jetzt im 21. Jahrhundert ist es genauso angebracht wie im ersten Jahrhundert. Das jüdische religiöse Nein zu Jesus, kodifiziert durch das rabbinische Judentum nach dem Tempel, darf nicht als einziger Schiedsrichter der jüdischen Identität angesehen werden. Dies bedeutet heute, dass die Kirche nach Wegen suchen muss, um messianisch-jüdische Gläubige zu respektieren und zu unterstützen sowie die weitere jüdische Gemeinde darüber zu unterrichten, damit sie die Legitimität der messianisch-jüdischen Identität erkennt. Wir sind dankbar, dass es in dieser Hinsicht eine Reihe ermutigender Anzeichen gibt, zum Beispiel das erhebliche Interesse an und die wissenschaftliche Neubewertung von Jesus und seinem Dienst als authentischen Teil des biblisch-jüdischen Lebens im späteren Kontext des Zweiten Tempels.

 

Drittens ist es in keiner Weise wichtig, das jüdische Nein zu Jesus zu befürworten, wie es heute durch die verschiedenen Formen des rabbinischen Judentums dargestellt wird, aber niemals das rabbinische jüdische Leben herabzusetzen. Es gibt viel, was wir als Christen lernen können, und viele gemeinsame biblische Werte, um zu feiern und eine Bestätigung zu erhalten. Während man stark evangelisiert bleibt, erkennt man in vielen Begegnungen mit rabbinischen jüdischen Gemeinden eine „gegenseitige Nähe“ an. Gibt es keine "gegenseitige Nähe", schlage ich vor, auch bei den positivsten und beständigsten Begegnungen mit anderen religiösen Gruppierungen.

Viertens und schließlich kann man bekräftigen, dass die „Wegteilung“ nicht das Ende der Reise ist. Dies ist teilweise darauf zurückzuführen, dass wir auf einer Ebene bekräftigen, dass sich die „Wegteilung“ auch weiterhin überschneidet. Um John Atkinsons Redewendung zu verwenden, bleibt eine "unauslöschliche Verbindung" bestehen. Es ist auch nicht das Ende, weil wir auf die Zeit warten, in der "ganz Israel gerettet wird" (Römer 11,26) und die Bewohner Jerusalems rufen werden: "Gesegnet ist, der da kommt im Namen des HERRN.“ (Matthäus 23,39). An diesem Punkt werden wir sehen, wie das, was herausgeschnitten wurde, vollständig eingepfropft wird, wie die einzelnen Ströme wieder in einem Fluss zusammenkommen und die Wege, die einst geteilt wurden, wiederhergestellt werden. In der Zwischenzeit gehen wir behutsam weiter, denken gründlich nach, sprechen sorgfältig und beten treu. Wir beten treu, indem wir unsere Gebete zu den Gebeten der allerersten Gläubigen an Jesus addieren, während wir rufen: „Amen. Komm Herr Jesus “(Offenbarung 22,20).

Wöchentliche Toralesung

Korach

06.07.2019

Tora: 4. Mose 16,1-18,32

Haftara: 1. Samuel 11,14-12,22

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